Pädagogisches LING MU QUAN – Trainingskonzept

 

Pädagogisches
Ling Mu Quan

– Trainingskonzept –

Eine Bewegungslehre mit pädagogischen
sowie therapeutischen Qualitäten

 

Inhalt

Einführung

Hauptteil

 

Was ist LING MU QUAN (Kurzfassung)?

LING MU QUAN ist eine neue Kampfkunst mit alten Wurzeln. LING MU QUAN bedeutet in etwa „Lebendige Baum-Faust“. Ling ist ein vielschichtiges Wort – es kann sowohl als „Geist“, als auch mit „beseelt“, „gewandt“ und „schnell“ übersetzt werden. Mu bedeutet Baum und Holz. Der Baum gilt im LMQ als ein Freund (Kraftgeber) und weiser Lehrmeister. Das Zeichen Quan (Faust) am Ende zeichnet es als Kampfkunststil aus. Das LMQ ist mit weltweiten Einflüssen gewachsen, wurzelt aber vor allem in den „chinesischen Kampfkünsten“ (Wushu). Der geistige und spirituelle Hintergrund ist die daoistische Philosophie und der schamanische Spiritualismus. Die Energiearbeit (Qi Gong) nach der „Lehre der fünf Elemente“ aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) spielt eine große Rolle. Hier werden Meridiane (Energiebahnen) in Balance gebracht, was sich insgesamt auf Körper und Geist positiv auswirkt. Das LMQ versucht, Erkenntnis und Handeln in Einklang zu bringen. Es vereinigt Widersprüche, wie schnell und langsam. Das LMQ ist mit seinen alten und neuen Wurzeln eine lebendige Bewegungsphilosophie. LMQ wird sich auch weiter von der Natur, anderen Stilen und Lehren inspirieren lassen. Ganz nach dem Motto:

»Nimm an, was nützlich ist, lass weg, was unnütz ist
und füge hinzu, was dein Eigenes ist.«

– (Bruce Lee)

Die ältesten Übungsformen, die das LMQ inspirieren, sind rituelle Körperhaltungen. Diese sind nachweislich über 20.000 Jahre alt. Das Hauptziel des LING MU QUAN-Praktizierenden ist es, eine Grundlage für seinen „Weg“ (Dao) zu schaffen. Es ist also mehr als eine „Kampfkunst“, es ist eine Lebenshaltung. Die Liebe zur Natur und die Achtung vor ihr und allem Beseelten sind die wichtigsten Elemente dieser Lebenshaltung. Die Verbundenheit zur Natur zeigt sich durch viel Meditation und Training im Freien. Am besten in der Natur (äußerlich), mit der Natur (innerlich).

Mehr über die Hintergründe des LMQ erfahren Sie hier:
http://ling-mu-quan.de/kampfkunst-geschichte-hintergruende/

 

Was ist Pädagogisches LING MU QUAN?

Das Pädagogische LING MU QUAN ist in erster Linie eine Bewegungslehre und eine Naturerfahrungslehre, ein begleitendes Übungsprogramm mit pädagogischem und therapeutischem Charakter für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Durch spezielle Bewegungsübungen und Atmung (aktive Meditation) kommt nicht nur der Körper ins Gleichgewicht, sondern auch der Geist. Durch spezielle Übungen wird auch die „Reflexkoordination“ der Teilnehmer verbessert. Diese hat positive Effekte auf das Gehirn, da dadurch nachweislich Synapsen aufgebaut werden. Darüber hinaus wird die Balance der Meridiane (Energiebahnen) nach anerkannten Methoden der TCM verbessert. Zum Beispiel mit der Ausführung der Wu Xing Qi Gong-Form („Fünf Elemente“-Energiearbeit-Form), auf die wir noch eingehen.

Die Entstehung: Ich habe das Pädagogische LING MU QUAN entwickelt, da ich erleben durfte, wie gut das LMQ pädagogisch und therapeutisch bei meinen Schülern wirkt. Ich möchte dazu noch sagen, das ich auch durch soziales Engagement einige „problembehaftete“ Schüler hatte und habe. Vielen hat das LMQ sehr geholfen. Um den Zugang zu erleichtern und aus anderen Gründen, habe ich das „kriegerische Element“ des LMQs aus der pädagogischen Variante entfernt. Das Konzept des Pädagogischen LING MU QUANs beruht nicht nur auf Theorie und Logik, es hat auch viele praktische Erfahrungen zur Grundlage. Die ersten Lehrerfahrungen habe ich schon 1997 in Irland gemacht. Ich hatte dort ein Jahr in einer anthroposophischen Einrichtung (Camphill) Heranwachsende mit sozialen Störungen und Behinderungen als Hilfslehrer und Gartenbaulehrer betreut. Ich hatte dort in der Freizeit einen sehr beliebten Kung Fu-Kurs angeboten. Ich hatte Teilnehmer mit Downsyndrom, mit autistischen Zügen und anderen Symptomen zusammen in einer Übungsgruppe! Es ist zwar schon sehr lange her, aber es ist ein Ausblick, den mir das leben geboten hatte, bevor ich ahnte, das ich mal ein solches Konzept, wie dieses, schreibe. Ich weiß noch, wie man sich über die ruhige Atmosphäre des Kurses wunderte. Heute weiß ich besser als damals, wie ich das erreichte. Ich habe damals viel gelernt, was ich heute verstehe. Ich bin seit fünfundzwanzig Jahren Wushu/Kung Fu-Schüler und habe die verschiedensten chinesischen und europäischen Lehrmethoden erlebt. Ich habe LMQ im Jahr 2012 gegründet und unterrichte es seitdem. Viele Erfahrungen können so in dieses Konzept einfließen.

Zum Konzept: In der Bewegungslehre des Pädagogischen LING MU QUANs benutzen wir Begriffe für beteiligte Personen, wie sie im Breitensport vom D.O.S.B. verwendet werden. Es gibt den Übungsleiter (ÜL) und die Teilnehmer (TN). Bei dem Training mit Jugendlichen, Kindern oder Patienten gibt es noch den Fachbegleiter (FB), entsprechend ausgebildet im pädagogischen, erzieherischen oder therapeutischen Bereich. Dieses Konzept versucht aufzuzeigen, wie gut durchdacht und doch realistisch das Pädagogische LING MU QUAN ist. Es ist strukturiert und zugleich flexibel. Das pädagogische Gesamtkonzept sieht – sehr verkürzt – folgende Ziele vor, um den Teilnehmern sozialpädagogisch zu helfen:

Als erstes wird mehr „innere Ruhe“ erzeugt, das führt zu mehr Ausgeglichenheit, dadurch verbessert sich – bei sinnvoller Beschäftigung – die Disziplin. Ausgeglichener, ruhiger und disziplinierter geht es mit dem Training leichter weiter. Die Übungen finden in folgender Reihenfolge statt: „sehr leicht“ bis „schwer“ bzw. „sehr einfach“ bis „komplex“. Die daraus resultierenden Erfolgserlebnisse befeuern das weitere Lernen und daraus folgt wiederum Sicherheit. Das Erlernte kann kreativ angewendet werden. Durch Kreativität erfährt man mehr von seinem Selbst. Aus sich heraus kann der Teilnehmer ein gesundes und positives Selbstvertrauen aufbauen. Quasi nebenbei soll noch soziales Bewusstsein, Körperbewusstsein und die Naturliebe gefördert werden.

Wie soll all das eine Bewegungslehre und Naturerfahrungslehre schaffen? Ich werde genau darauf eingehen und möchte die pädagogischen und die therapeutischen Qualitäten dieses besonderen Trainings aufzeigen. Danach werde ich anhand fünf einzelner Übungsbeispiele die genauen Wirkungsmechanismen beschreiben. Es folgen mögliche Antworten auf die Fragen, wie die Menge des Trainings die Übungsziele beeinflussen, wann Gruppentraining bzw. wann Einzeltraining sinnvoll ist. Weiter geht es mit der Erörterung der praktischen pädagogischen Anwendung von LMQ. Zum Schluß werden unterstützende psychotherapeutische Anwendungsgebiete des LMQs aufgezeigt.

Das Pädagogische LMQ-Training wirkt auch energetisch. Qi Gong-Übungen (Energiearbeit), zum Beispiel, sind in der traditionellen chinesischen Medizin hoch angesehen. Sie können sich bei den TN in vielen Ebenen positiv auswirken. Das ist die zusätzliche Tiefe, die das LMQ noch bietet, aber deren genaue Beschreibung den Rahmen dieses Konzeptes sprengen würde. Sie werden immer wieder mal als zusätzliche Wirkungsmechanismen erwähnt.

Pädagogische Qualitäten des LMQs

Ruhe – Aktive Meditation: Vielen Jungen Menschen fällt geistiges und körperliches Ruhen schwer. Die Gründe hierfür sind hauptsächlich zivilisatorischer Natur. Wir sind in der „modernen Zivilisation“ ständig Reizen und Erwartungen ausgesetzt. Andererseits gibt es zu wenig Bewegung und Naturerfahrung. Besonders junge Menschen reagieren darauf mit Unruhe, Unsicherheit und Stress. Es fällt Schülern häufig schwer, dem Unterricht ruhig zu folgen. Ruhe ist jedoch die Basis einer pädagogisch sehr wertvollen Fähigkeit: Dem Lernen. Das aktuelle Schulsystem – mit seinem „Sitzzwang“ für 45 Minuten – ist aus der Sicht einer Bewegungslehre, wie dem LMQ, fragwürdig. Um der Unruhe entgegenzuwirken, wäre rein äußerliches „ruhig sein“ einzufordern nur die Unterdrückung der inneren Unruhe. Es ist manchmal unmöglich, den unruhigen extrovertierten Jugendlichen, „ruhig Sein“ zu verordnen. Introvertierte, dennoch „innerlich“ unruhige (unsichere) Jugendliche können dies besser, aber meistens nur „äußerlich“.

Im Pädagogischen LMQ ist der Ansatz, Ruhe zu erzeugen, anders. Das „ruhig Sein“ muss in dieser „modernen Zivilisation“ zurück erarbeitet und erlernt werden. Es geht hier um „äußere Ruhe“ und „innere Ruhe“, die zusammen Ausgeglichenheit bei den TN schafft. Die „aktive Meditation“ ist hierfür ideal! Das Pädagogische LMQ-Training ist voller „aktiver Meditation“. Für unruhigere Teilnehmer stellt die „aktive Meditation“ keine Überforderung dar. Die Möglichkeiten, von sehr leicht zu schwer und von sehr einfach zu komplex zu lernen, sorgt für die wichtigen Erfolgserlebnisse. „Aktive Meditation“ ist zusammengefasst ein Zusammenspiel von koordinierten Bewegungen und Atmung. Die Beschäftigung des unruhigen Geistes mit Bewegungskoordination und Atmung führt zur Ruhe und mehr Ausgeglichenheit. Das ist eine Wirkungswiese der „aktiven Meditation“. Die Gedanken, die Unruhe bringen, werden durch Konzentration auf Bewegung und Atmung, zum schweigen gebracht. In den Übungsbeispielen gehe ich weiter drauf ein. Es gibt im Pädagogischen LMQ viele Wege, das Ruhen weiter zu vertiefen. Als Beispiel sei die „Naturmeditation“ genannt, auf die wir auch später noch zu sprechen kommen.

Disziplin – Regeln und sinnvolle Beschäftigung: Disziplin wird in jedem anständigen Kampfkunst-Training als unerlässlich betrachtet. Das Pädagogische LMQ profitiert davon, denn es wurzelt in der „Welt der Kampfkünste“. Es gibt Regeln, die das Sozialverhalten betreffen und Sicherheitsregeln für die Unfallvermeidung. Mit den sozialen Regeln im Gruppentraining wird auch die soziale Kompetenz der TN geschult. Es gibt auch strukturgebende Regeln, wie den gemeinsamen Gruß. Das LMQ ist aber keine Kampfkunst mit strengen Regeln, die eine scharfe Disziplin oder gar Drill abverlangt. Das disziplinarische Regelwerk des Pädagogischen LMQs kann sich an die Anforderungen und die soziale Kompetenz der TN richten. Es gibt aber elementare Regeln, die unerlässlich sind, besonders Sicherheitsregeln und soziale Regeln. Im Pädagogischen LMQ gilt, wenn es darum geht, Disziplin zu fordern: Weniger Regeln und mehr sinnvolles Beschäftigen. Denn Beschäftigungslosigkeit (Langeweile) ist – meiner Beobachtung nach – der häufigste Grund für Disziplinlosigkeit. Daher ist es bei unruhigen Teilnehmern wichtig, für dauerhafte und beruhigende Beschäftigung zu sorgen. Selbstverständlich können TN auch eine Pause machen, wenn sie wünschen. Sie müssen aber, sichtbar für den ÜL, ruhen und nicht die anderen ablenken. Ich habe häufig erlebt, das ruhende TN schnell von selbst wieder ins Training einsteigen. Selten muss man sie zusätzlich motivieren, aber manche TN wollen auch motiviert werden. Motivieren kann dann weniger eine durchdachte Lehre mit reizvollen Zielen, sondern mehr ein motivierender ÜL und FB. Die Stärken eines guten ÜL sollten besonders in der Fähigkeit liegen, zu motivieren. Im Pädagogischen LMQ wollen wir bei Disziplinlosigkeit nicht sagen: „Lasse das“. Wir wollen sagen: „Mache jenes“. Denn „lassen“ ist beschäftigungslos (langweilig) im Gegensatz zu „machen“, welches eine alternative Handlungsmöglichkeit darstellt. Die alternative Handlungsmöglichkeit, die der Übungsleiter anbietet, darf nicht sinnlos sein oder überfordern! Im Pädagogischen LMQ gibt es viele sinnvolle und in ihrer Schwierigkeit variable Möglichkeiten für den ÜL, um für Beschäftigung zu sorgen. Die „aktive Meditation“ stellt häufig eine sinnvolle Handlungsalternative dar, da es zudem den Geist beruhigt. Durch Beschäftigung bleibt weniger Zeit für Disziplinlosigkeiten gegen die aufgestellten Regeln. Die Regeln werden eingehalten und erlangen so Autorität. Auch der LMQ-Übungsleiter und pädagogische oder psychologische Fachbegleiter sollten eine gesunde Autorität besitzen.

Disziplin und Ausgeglichenheit wird belohnt, indem die TN verantwortungsvollere, aber auch spannende Trainingsinhalte ermöglicht bekommen. Da ist LMQ sehr flexibel und für interessierte TN mit vielen reizvollen Zielen im Trainingsprogramm. Bei wirklich großem Vertrauen gegenüber einem disziplinierten und ausgeglichenen TN, kann man z.B. Stockkampf- oder Selbstverteidigungstraining anbieten. Die durch Disziplin erarbeiteten Möglichkeiten stärken das Selbstvertrauen der Teilnehmer.

Lernen – Erfolg und Wiederholung: Wenn ein Teilnehmer – wie oben beschrieben – ein Stück weit Ruhe und Disziplin erarbeitet hat, dann ist eigentlich schon der erste Lernerfolg vollbracht. Darüber hinaus einer, der das Lernen weiter vereinfachen sollte. Innerlich ruhiger und disziplinierter kann es im Leben leichter voran gehen.

Ein Grundprinzip des Pädagogischen LMQs ist: Von sehr leicht zu schwer und von sehr einfach zu komplex zu lehren. Das sorgt für die wichtigen Erfolgserlebnisse bei den TN, was wiederum das Weiterlernen befeuert. Es gibt im LMQ Bewegungsformen mit choreographierten Bewegungen, die der TN erlernen kann, z.B. Qi Gong-Formen (Energiearbeit). Ähnlich wie ein Gedicht, nur mit Bewegung und Atmung. Hier wird auch das Gedächtnis trainiert, was dem weiteren Lernen sehr dienlich ist. Komplexe Bewegungsabläufe werden für den TN in kleine Teile zerlegt, sodass er Stück für Stück weiterkommt. So erfährt und erlernt der TN das große Aufgaben und komplexere Probleme durch Aufteilung in machbare Einheiten bewältigt werden können. Durch Wiederholungen wird nicht nur Beharrlichkeit gesteigert, sondern auch das Erlernte verfestigt und vertieft. Die TN schulen sich in reflex-koordinativer Weise, was – wie bereits erwähnt – positive Auswirkungen auf die Synapsenbildung im Gehirn hat.

Soziale Kompetenz – Zweierübungen und Kontakt: Als ich das Pädagogische LMQ aus dem Wissensschatz des LMQ geformt habe, habe ich das „kriegerische Element“ des LMQ aus der „pädagogischen“ Variante entfernt. Das heißt aber nicht, das ich alle „kämpferischen“ Elemente entfernt habe. Ich habe ausgewählte Kontaktformen und Kontaktübungen als Übungsoption ins Pädagogische LMQ übernommen. Im Leben muss man manchmal „kämpfen“ und damit ist kein physischer Kampf gemeint. Es wäre ein großer Fehler gewesen, grundsätzlich dem Pädagogischen LMQ die Kompetenz abzuerkennen, verantwortungsvoll das „Kämpfen“ zu lehren. Eher kann man hier aufzeigen, wie man im Leben für etwas oder für sich „kämpft“ (sich auseinandersetzt), zumal man ausgerechnet hier auch die sozialen Kompetenzen der TN weiter fördern kann. Der „physische Kampf“ dient als Vorlage für andere „Kämpfe“ (Auseinandersetzungen) im Leben, z.B. um die Ausbildungsstelle, mit den Behörden, oder einem „Bully“ in der Schule. In den Zweierübungen lernt und erfährt man zuerst einmal Sensibilität, Eingehen, Respekt und Anstand. Als erstes sollte dabei verstanden werden, wie man im LMQ siegt:

„Das Weiche überwindet das Harte,
da der Aggressor die „Ordnung“ stört,
was ihn aus der Balance bringt.“

Das Weiche, emotionslose (Unerschrockene) aber Wache, ist dem Zerstörungswillen des Angreifers überlegen. Es wird gelehrt, das es immer falsch ist, jemanden anzugreifen! Manchmal muss man aber auch „hart“ sein im „Kampf“, im Leben. Aggressiven Jugendlichen kann man gut helfen, wenn man die Energie der Aggression zu etwas Gutem transformiert. Hierfür ist das Pädagogische LMQ ideal. Man braucht keine Angst um die TN haben! Sie werden nicht in Wettkämpfen aufgestachelt oder dergleichen. Zweierübungen mit Kontakt werden zwingend erst in der richtigen Atmosphäre und unter den richtigen Bedingungen begonnen. Sind die TN noch nicht so weit, weil sie beispielsweise noch zu unruhig sind oder noch nicht die benötigte soziale Kompetenz besitzen, gibt es noch Mengen an sinnvollen Übungen ohne Kontakt. Die ersten Kontaktübungen haben keinen Wettkampfcharakter. Die ersten „Kontaktformen“ sind Tui Zui-Formen (schiebende Hände). Diese Lehren fördern durch ihre weichen Übungen besonders die Sensibilität und das „auf den anderen Eingehen“. „Innere Sensibilität“ (eigene Wahrnehmung) und „äußere Sensibilität“ (soziale Wahrnehmung) werden so in größeren Einklang gebracht. Auf die Wirkmechanismen der Tui Zui-Formen gehe ich in den Übungsbeispielen noch genauer ein. Generell wird bei den „Zweierübungen“ von sehr weich zu hart gelehrt – und vom sensiblen Miteinander zu respektvollem Gegeneinander (im sportlich-positivem Sinne). Das Spektrum zwischen den genannten Polen ist groß, aber das Pädagogische LMQ hat die Fähigkeiten, das ganze Spektrum zu bedienen. Es kann auf die Möglichkeiten und Wünsche der Auftraggeber, Fachbegleiter und TN eingehen. Dazu mehr im Kapitel: Praktische pädagogische Anwendungsgebiete des LMQs.

Gruppendynamik – Gemeinsames Erfahren: Da das LMQ (im klassischen Sinne) kein Team-Sport ist, muss man bei der Gruppen-Unterrichtung auf den Aufbau oder Erhalt einer guten Gruppendynamik achten. Dafür gibt es aber genügend Möglichkeiten. Um beispielsweise Grüppchenbildung und Vereinzelung im Training vorzubeugen, sollte man bei Zweier- oder Teamübungen die TN immer gut durchmischen. Es gibt TN, denen die koordinativen Übungen des LMQs leichter fallen, als anderen. Hier kann LMQ einen großen Spagat hinlegen. Alle können gleichzeitig in verschiedenen Schwierigkeitsgraden unterrichtet werden und trotzdem die gleichen Erfahrung teilen. Das verhindert Frust durch Unter- oder Überforderung und hält die TN zusammen.

Wenn im Pädagogischen LMQ eine Gruppe mit sehr schlechter Gruppendynamik übernommen wird, ist es möglich, mit sozialen Gruppenspielen die Dynamik zu verbessern. Diese sinnvollen Spiele sind nicht LMQ-typisch, wurden mir aber im Übungsleiter-Lehrgang (D.O.S.B.) für solche Situationen nahe gebracht. Sie fügen sich gut ins Training ein, stellen aber normalerweise nur eine Alternative dar, weil meist die üblichen LMQ-Methoden ausreichen.

Da LMQ auch eine Naturerfahrungslehre ist, können verschiedene Naturprogramme unternommen werden, wie z.B. eine „Fünf Elemente“-Erfahrungs-Radtour, welches eine hoffentlich schöne Gruppenerfahrung darstellt. Dies kann, unter anderen, alle Teilnehmer etwas mehr zusammenführen. Ein Team, auch ohne Team-Sport.

Kreativität und Fantasie – Freiformen und Naturimagination: Im Pädagogischen LMQ sollen die TN lernen, eigene Lösungen für „Probleme“ zu finden. Das Leben ist letztlich nicht durchplanbar. Ein Plan, Konzept oder Vision kann aber was gutes sein, wenn man kreativ und präsent bleibt. Ein wichtiger Bestandteil und Besonderheit des LMQs sind die Freiformen. Hier werden beherrschte Einzeltechniken und die kurzen Formen des LMQs durch den Ausführenden selbst kombiniert. Freiformen sind nur eine von vielen Möglichkeit des Pädagogischen LMQs, die Kreativität der TN zu fördern. Auf die Freiformen gehe ich in den Übungsbeispielen noch ein. Schon vor den Freiformen, die ein gewisses Können verlangen, kommt eine Gruppe zusätzlicher Techniken des LMQs zum Einsatz, die auch die Kreativität der TN fördern: Imaginationstechniken in Form von Elementimagination und Tierimagination. Imagination braucht Fantasie und Kreativität. Fantasie braucht den Schöpfungswillen und Kreativität braucht die Präsenz (Gegenwärtigkeit).

LMQ ist etwas Inneres, das die Fantasie und die Kreativität als elementare Säule braucht. LMQ wird in jedem Bruchteil der Zeit geschaffen, so wie die Schöpfung nichts Gewesenes, sondern etwas Gegenwärtiges ist. Daoistisch ausgedrückt: Alles fließt. Die Haltung des Mitschöpfenden, der mit Kreativität und Fantasie in der Lage ist, zu reagieren und zu gestalten, um dem Weg mit Präsenz zu folgen, ist sehr wichtig im LMQ.

Ein wichtiger Begleiter der Kreativität ist die Fantasie. Die Fantasie ist auch eine sehr wichtige Fähigkeit des Menschen. Sie wird oft verunglimpft, z.B. ein Mensch mit viel Fantasie wird oft als „Träumer“ bezeichnet. Dabei kann sie die Trägerin der Hoffnung sein. Sie überwindet „Alternativloses“ und kann Visionen (Utopien) wahr werden lassen. Nicht nur die Vision (Utopie) braucht Fantasie, sondern auch die Erkenntnis, dass Visionen (Utopien) einen realen Weg haben. Realem wird mit Fantasie der Weg geebnet. Empathische Menschen entwickeln gute Visionen und egomanische Menschen entwickeln schlechte Visionen.

Es wird der Jugend immer weniger Raum gelassen, eigene Visionen zu entwickeln. Die Medienvisionen dienen hauptsächlich der Konsumsteigerung und dem Machterhalt der „Eliten“. Die Konsumsteigerung ist „alternativlos“, weil ein „Wachstumszwang“ vorausgesetzt wird. Die negativen Auswirkungen dieser Gesellschaftspolitik, wie die krassen sozialen Verwerfungen und Umweltzerstörungen, werfen fragen auf. Doch es wird viel zu oft Angst und nach unten gerichtete Missgunst gesät. Das kann besonders bei sozial schlecht gestellten Jugendlichen zu Aggression, Frust und Perspektivlosigkeit führen. Wenn man in die „moderne Zivilisation“ schaut und sieht, welche Visionen und Ängste die meisten Medien hauptsächlich verbreiten, der weiß, dass wir von Egomanen verführt und mit Angst (schlecht) beherrscht werden. Schreckensvisionen über den eigenen sozialen abstieg lähmen den Geist und vernebeln die relevanten, ursächlichen Zusammenhänge. Es sei nicht genug für alle da, wird vermittelt. Das macht rücksichtslos. Alles andere wird als Utopie abgetan.

Die Naturbetrachtung und Naturimagination kann uns Heilung gegen den Sturm von egomanischen, Konsum-glorifizierenden und kurzsichtigen Visionen bringen. Naturbetrachtung findet im Pädagogischen LMQ z.B. in der Naturmeditation statt und die Naturimagination wird mit den Tierformen und Elementformen geübt. Darauf wird in den Übungsbeispielen noch eingegangen. Wir sollten der Jugend die Möglichkeit geben, sich in dieser modernen Zivilisation „zu erden“! Dann können sie Wurzeln schlagen und zu empathischen Menschen mit guten Visionen heranwachsen. Die Visionen sind dann nicht nur für den eigenen Weg gut, sondern auch für die Gesellschaft und die Natur.

Selbstbehauptung – Haltung und Distanzlehre: Neu gewonnene Sicherheit auch ausstrahlen …

[Fortsetzung in Arbeit …]